PhV: NRW-Koalitionsvertrag stellt Qualitätsanspruch ins Zentrum

Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte angekündigt

Die Aussagen des Koalitionsvertrages von CDU/FDP zur Schule sind ambitioniert. Es ist aus Sicht des Philologen-Verbandes ausgesprochen erfreulich, dass die Qualitätssteigung Maßstab der schulpolitischen Vorhaben wird. So ist die Lehrerversorgung mit dem Ziel der 105-prozentigen Stellenausstattung von Schulen angestrebt, die Fachlichkeit in der Lehrerausbildung, in der Fortbildung sowie den Lehrplänen wird hervorgehoben, sämtliche Schulformen werden in ihren Profilen aufgewertet und die Umsetzung der schulischen Inklusion wird an die „Erfüllung und Sicherung [von] Qualitätsstandards“ geknüpft. Inklusion an Gymnasien soll im Regelfall zielgleich umgesetzt werden. Begabten- und Hochbegabtenförderung wird unterstützt und die Ausgestaltung der Regelungen zur Schulzeitfrage an Gymnasien erfolgt ausgerichtet auf eine Stärkung der gymnasialen Bildung.

„Es ist richtig, dass vorab ‚gute Bedingungen für unsere Lehrkräfte‘ als Voraussetzung der Qualitätssicherung und -steigung genannt werden. Als Entlastung werden die Reduzierung von Berichts- und Dokumentationspflichten, die Unterstützung durch Schulverwaltungsassistenten und der Ausbau multiprofessioneller Teams genannt. Instrumente der Qualitätsentwicklung werden überprüft, kleinere Klassen und eine Verbesserung der Schüler-Lehrer-Relation angekündigt.

Grundsätzliche Aussagen im Vertrag sind gut, doch die Konkretisierung im Einzelnen ist für unsere Kolleginnen und Kollegen noch praxisnäher. So begrüßen wir bspw. die Überprüfung des Vorhabens ‚Kein Abschluss ohne Anschluss‘ auf die spezifischen Schulformerfordernisse hin, die Evaluierung des Fachs Englisch in der Grundschule, die Möglichkeit, in Gesamtschulen erprobte Inklusionskonzepte wieder zu praktizieren, die Möglichkeit der Feststellung des Förderbedarfs ohne zeitliche Vorgaben und die Neubewertung der Kompetenzorientierung“, so Peter Silbernagel, Vorsitzender des nordrhein-westfälischen Philologen-Verbandes.

Den vielen richtigen Signalen stehen einige Projekte gegenüber, die der Philologen-Verband zurückhaltend bis skeptisch sieht. Zum Teil fehlen konkretere Angaben. Ob wir wirklich mehr Praxisorientierung in der Lehrerausbildung benötigen, steht dahin. Es gilt, die Auswirkung eines Schulfreiheitsgesetzes näher zu betrachten. Ebenso darf die Sinnhaftigkeit der „Leuchtturmprojekte“ von mindestens 30 „Talent-Schulen“ hinterfragt werden.

Aus Sicht des Philologen-Verbandes überzeugen insgesamt die Aussagen zur Schulpolitik. Trotz einiger „Leerstellen“ wie bspw. die „Überarbeitung“ der Lehrerausbildung werden notwendige Akzente gesetzt: u.a. die Unterrichtsgarantie, die Arbeitsentlastung der Lehrkräfte, die Schulmodernisierung, die Sicherung der Förderschulen, die Stärkung der Schulformen, die Regelungen zur Integration, die Aussagen zu Ganztagsschulen und Schulen in freier Trägerschaft sowie zum Ausbau internationaler Schulen.

„Deutliche Schwerpunkte, klare wie zugleich umsichtige Korrekturen und die Mitnahme aller von Schule Betroffenen – ambitionierte, doch keinesfalls unmögliche Vorhaben, wenn man Schulen nicht überfordert, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler ernst nimmt und die Bereitschaft hinzuhören und dazuzulernen nicht verliert.“

 

Düsseldorf, den 20.06.2017             

  Klaus Schwung
- Pressesprecher -