Keine übereilte Rückkehr zum Präsenzunterricht

  • Präsenzunterricht muss das Ziel sein – aber Corona ist noch nicht vorbei
  • Weiterhin keine Abstriche beim Arbeits- und Gesundheitsschutz
  • Noch kein voller Impfschutz für alle Lehrkräfte an weiterführenden Schulen in NRW

Düsseldorf. Die angekündigte Rückkehr zum flächendeckenden Präsenzunterricht in NRW innerhalb von sieben Werktagen darf die Erfolge des Gesundheitsschutzes der vergangenen Monate nicht gefährden. Die Ankündigung von Ministerpräsident Laschet und Schul- und Bildungsministerin Gebauer, dass ab dem 31. Mai 2021 wieder voller Präsenzunterricht in den Schulen angeboten wird sei unnötig kurzfristig. „Natürlich ist der volle Präsenzunterricht das Ziel, und alle wünschen sich die Rückkehr zum normalen Schulbetrieb. Aber dennoch ist Vorsicht geboten“, betont Sabine Mistler, Vorsitzende des Philologen-Verbandes Nordrhein-Westfalen (PhV NW).  

Noch kein voller Impfschutz für alle Lehrkräfte an weiterführenden Schulen in NRW
Weder die Schülerinnen und Schüler noch eine Vielzahl der Lehrkräfte der weiterführenden Schulen haben bisher die Möglichkeit erhalten, sich vollständig gegen COVID-19 impfen zu lassen. Der vorgesehene Grenzwert von 100 bei der Inzidenz steht im Widerspruch zu den Empfehlungen des RKI, denen zufolge erst ab einer Inzidenz von unter 50 die Rückkehr zum Präsenzunterricht verantwortbar ist. Andere Bundesländer, darunter auch Bayern, richten sich nach diesen Vorgaben.

Gesundheitsschutz darf nicht zu kurz kommen
Der Wechselunterricht bedeutet zwar eine enorme Belastung für die Lehrkräfte, stellt aber einen vernünftigen Kompromiss zwischen den pädagogischen Notwendigkeiten und den Erfordernissen des Infektionsschutzes dar. Es besteht daher die Befürchtung, dass die Testungen an Schulen nicht ausreichen und der Gesundheitsschutz bei fehlenden Mindestabständen in großen Klassen und Kursen zu Infektionen führen kann. Der PhV NW kritisiert auch weiterhin die mangelhafte Ausstattung der Schulen mit Luftfilteranlagen. Die Lehrerinnen und Lehrer freuen sich auf mehr Präsenz - dies darf aber nicht auf Kosten des Gesundheitsschutzes gehen. Bei allem Optimismus bezüglich der sinkenden Infektionszahlen, darf man jetzt nicht so tun, als sei Corona vorbei.

Schulen brauchen Verlässlichkeit und tragbare Konzepte
„Wir brauchen für die Schulen Verlässlichkeit und Gesundheitsschutz und kein Hin und Her, sollten sich die Infektionszahlen mit den parallelen Öffnungen im öffentlichen Raum wieder erhöhen. Was wir jetzt wirklich benötigen, sind tragende Konzepte für die Schulen, die tatsächlich die Kinder und Jugendlichen auffangen und die neben dem wichtigen Aspekt des sozialen Miteinanders auch das Aufholen von fachlichen Defiziten möglich machen. Dazu brauchen wir in jedem Fall mehr Lehrerinnen und Lehrer, Schulpsychologen und Sozialarbeiter im System Schule, damit wir über kleinere Lerngruppen Schülerinnen und Schüler auffangen und unterstützen sowie individuell fördern und fordern können“, so Sabine Mistler abschließend.