15 Jahre Zentralabitur: Sind die Schüler schlauer oder die Prüfungen einfacher?

"(...) Der Philologenverband NRW sorgt sich aber um die Qualität der Abschlussprüfungen. Tatsächlich werden die Noten immer besser. Vor Einführung des Zentralabiturs war der Abiturschnitt bei 2,66. Während er 2007, also bei den ersten zentralen Prüfungen, noch bei 2,64 lag, erreichten die Abiturienten in NRW im vorigen Jahr im Schnitt ein Abi von 2,35. Seit 2007 ist die Durchschnittsnote kontinuierlich besser geworden. Auch die Zahl der Abiturienten mit der Bestnote 1,0 steigt konstant. (...)

Mistler hat aber auch die Vermutung, dass der Fokus auf die Kompetenzen damit zu tun hat, dass die Schülerinnen und Schüler bessere Ergebnisse erzielen. „Sprachrichtigkeit war vor dem Zentralabitur noch viel wichtiger“, betont sie. Zudem spricht Mistler die große Heterogenität an den Gymnasien und Gesamtschulen an. „Es gibt Orte im ländlichen Raum, wo Schülerinnen und Schüler mit einer Hauptschulempfehlung aufs Gymnasium gehen, weil an der Gesamtschule nicht ausreichend Plätze sind, aber es keine Hauptschule mehr gibt“, beklagt Mistler, die betont, wie wichtig das dreigliedrige Schulsystem aus ihrer Sicht ist.

Mistler kritisiert die schwerpunktmäßige Fokussierung aufs Gymnasium bei den Übergängen von den Grundschulen auf die weiterführenden Schulen und sieht die Qualität des Abiturs deshalb perspektivisch in Gefahr. Zumal Gutachten an den Grundschulen während der Pandemie wohlwollender ausgestellt worden seien. Außerdem wäre es im Sinne der Kinder sehr unglücklich, wenn sie feststellen, dass sie überfordert sind. Ein Schulwechsel nach der sechsten Klasse sei nicht leicht. Mitunter gebe es keine Plätze an anderen Schulen, um diese unterzubringen. Und so blieben immer mehr Kinder am Gymnasium, obwohl sie an einer anderen Schulform besser aufgehoben wären."

Der gesamte Beitrag ist am Samstag, 26. März 2022, in der Aachener Zeitung www.aachener- zeitung.de erschienen.

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