Umgang mit Widerständen – aber wie?!

Bericht vom 2. Frauenreferetinnentag des RFFG

Der Vorsitzenden des Referats für Frauen, Familie und Gleichstellung des PhV NRW, Jutta Bohmann, ist es einmal mehr gelungen, einen renommierten Referenten für den alljährlichen Frauenreferentinnentag zu gewinnen, der am 26. November 2016 im voll belegten Kaiser Augustus Saal des Mercure Hotels in Dortmunds Stadtmitte stattfand: den Trainer für Rhetorik und Auftrittswirkung Dr. Werner Dieball.

Wen lässt der Tagungstitel „Umgang mit Widerständen und Konflikten“ nicht sofort an die sogenannten „verhaltenskreativen“ Schülerinnen und Schüler, an Gespräche mit Eltern oder andere Konfliktgespräche denken, die Kraft kosten, im schlimmsten Fall sogar angstbesetzt sind? Unsachlichkeiten, Vorwürfe oder verhärtete Fronten machen es bisweilen schwer, souverän zu sein und auch so wahrgenommen zu werden.

Genau in solchen Gesprächssituationen fehlen vielen Frauen – deren Stärke zwar im Bereich der Empathiefähigkeit, deren Schwäche aber aufgrund eines gesteigerten Harmoniebedürfnis oft darin zu liegen scheint, Gesprächsziele im Blick zu behalten – Strategien und argumentative Tipps, um eben ihre Gesprächsziele in angemessener Weise zu erreichen. Solche Strategien und Tipps lernten die mehr als 50 Teilnehmerinnen des Frauenreferentinnentages nicht nur kennen, sondern hatten auch die Gelegenheit, sie mithilfe der Videofeedbackmethode praktisch zu trainieren:

Videofeedbackaufnahme eines fiktiven Konfliktgesprächs zwischen Britta Schmitz-Sticklies und Dr. Werner Dieball als widerständigem Gegenüber; vorne links im Bild die Vorsitzende des RFFG, Jutta Bohmann

Praktische, vor allem aber anschauliche Beispiele aus der Alltagskultur – etwa der Spielfilm „Der Rosenkrieg“ als Beispiel für F. Glasls „Treppe in den Abgrund“ – und ausgesprochen hilfreiche Tipps wie das B.A.H.N.-Modell als geeignete Ansprache bei Kritikgesprächen in der Tradition gewaltfreier Kommunikation nach M. B. Rosenberg wurden mehr als kurzweilig präsentiert, in gekonnter Weise wurde Grundlagenwissen über Konfliktursachen oder das 4-Ohren-Modell von F. Schulz von Thun, Strukturen für zielgerichtete Argumentation oder personale Grenzen an immer geeigneter Stelle adressatengerecht referiert. Daneben lernten die Teilnehmerinnen, die mit der Zeit immer mehr die anfängliche Zurückhaltung gegenüber dem als forsch und nicht unumstritten geltenden Trainer ablegten, ein reiches Potpourri an neuen Informationen, Strategien und Tipps kennen: Argumentationstypologien nach F. Riemann, Techniken sozialverträglicher Kommunikation, Tipps, um schlagfertig(er) zu antworten, Sprachlosigkeit zu beenden – mit und ohne Beziehungsabbruch zu riskieren, die fünf Punkte der Souveränität, Instantsätze, die 3-T-Regel und Methoden, Einwände unschädlich zu machen, Mikroausdrücke aus dem Bereich der Kinesik wie die sogenannten „Killergesten“ „Dolch“ oder „Pistole“ oder das so anschaulich deklarierte „virtuelle Nutella“.

So ausgestattet wurden die Teilnehmerinnen in die Lage versetzt, in einer Weise zu sprechen und aufzutreten, die Sokrates‘ Diktum „Sprich, damit ich dich sehe!“ gerecht zu werden vermag.

Dazu war und wird immer wieder aber zuallererst nötig, eigene Widerstände abzulegen: die fehlende Offenheit, den Mut, Neues auszuprobieren und das Aufgeben von perfektionistischen Vorstellungen. Erst dann kann der Alltag gemeistert werden, denn: der nächste Widerstand kommt bestimmt.

Elke Windrath